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/deutsch/ - Es san nua du und I

Geheimer Treffpunkt des Allgemein9-Kollektives

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 No.59717

Seit jeher sind die Nachrichten von Tod und Elend dominiert. Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, sagt man, und wenn nicht gerade irgendwo ein drolliges Robbenbaby oder ein junger Eisbär die Schnauze in die Kamera hält, so schildern einem seriöse Nachrichtensprecher in seriösen Anzügen, wie in Australien ein Flugzeug mit allen Insassen tödlich verunglückt ist, ein amerikanischer Rockstar im Drogenkoller an seiner eigenen Kotze erstickte und wie sich in Bombistan mal wieder ein religiöser Fanatiker mitsamt zwanzig weniger spirituell erleuchteten Opfern in die Luft gejagt hat. Dazu noch eine Livereportage aus dem afrikanischen Ugubugu, wo der lokale Korrespondent einem Kind beim Verhungern zusieht und den Leichnam anschließend noch zwei, drei mal mit einem Stock anstubbst, um sicher zu gehen, dass die Kleine auch wirklich tot ist – man will den Zuschauer ja nicht bewusst täuschen.

Heute jedoch ist es anders. Zugegeben, von der Thematik des jämmerlichen Krepierens können sich die Medien nicht vollkommen trennen, doch statt des Leids Hunderter konzentrieren sie sich auf jenes einer einzelnen Person – der jungen Prinzessin Anna.

 No.59718

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Anna, ihres Zeichens designierte Thronfolgerin im zentraleuropäischen Zwergstaat Dingelland, hatte vor inzwischen gut und gerne einem Jahr beim Skifahren eine Frontalkollision mit einem Nadelbaum und zog dabei, wie es dutzende Ski- und Forstexperten für das Fernsehen erklärten, leider den Kürzeren. Seitdem befindet sie sich in einem tiefen komatösen Zustand und wird lediglich durch eine ganze Batterie mechanischer Lungen, Pumpen, sowie sonstiger Gerätschaften am Leben gehalten, wenn man diesen Zustand denn als solches bezeichnen möchte.

Nachdem das Gehirn der Prinzessin über die letzten zwölf Monate jedoch keine Anstalten gemacht hat, höhere oder auch nur vegetative Funktion wiederherzustellen, entschieden sich ihre Eltern für eine drastische Maßnahme – genau ein Jahr nach ihrem Umfall, pünktlich am zwölften Februar um 14:25 Uhr, würde man die lebenserhaltenden Maßnahmen einfahren und den Körper der Prinzessin den sanften Händen des Todes übergeben.

Natürlich kann man diese Prozedur nicht in aller Stille und Heimlichkeit durchführen – zwar hatte Anna während ihrer aktiveren Tage die öffentliche Aufmerksamkeit weitestgehend gemieden und verabscheute das Klicken von Kameras, doch war sie bei ihren zukünftigen Untertanen und auch dem Rest der Welt wenige Tage vor ihrem geplanten Ableben plötzlich so beliebt geworden, dass man dem Publikum nicht eine letzte Chance verwehren wollte, sich von ihr zu verabschieden.


 No.59719

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Eine Stunde vor Ablauf der Endfrist gab Annas Vater, König Walter von Dingelland, eine Presseansprache. Er erklärte das ungeheure Leid und das ständigen Bangen um das Leben ihrer Tochter, welchem die royale Familie seit hunderten von Tagen ausgesetzt war, betonte aber zugleich auch, wie fortschrittlich Dingelland im Umgang mit solchen Themen sei – im Gegensatz zu anderen, streng erzkonservativen Ländern, sei man hier bereit, die praktisch schon dahingeschiedene Prinzessin in Würde und unter dem tränengefüllten Augen der Weltöffentlichkeit sterben zu lassen. Darüber hinaus sei Anna natürlich Organspenderin, so dass sie selbst in ihrem Tod noch anderen Menschen (wie etwa dem morbid fettleibigen aber politisch gut verbundenen Kettenraucher Uwe K. ) neues Leben spenden könne.

Noch während König Walter weiterhin die progressive Sterbekultur seines Landes pries, erwachten die ersten Kameras in Prinzessin Annas Krankenzimmer zum Leben. Es war ein surrealer Anblick – Anna lag in ihrem Bett; neben ihrer Seite ein moppeliges kleines Mädchen mit unmöglich roten Hamsterbacken, der die Ehre zu teil geworden war, die letzten Gebete für die Prinzessin sprechen zu dürfen.

Die Tatsache, dass die junge Frau, deren Hand es gerade noch streichelte, schon bald ein verrottender Leichnam sein würde, schien das Mädchen nicht zu stören und es plapperte fröhlich in die Mikrophone der sie umringenden Journalisten; erklärte ihr Name sei Marcellin und sie sei für diese Rolle ausgewählt worden, weil sie daheim im Kirchenchor doch so schön singen könne und sich immer brav auf den Schoß des Priesters setze, wenn er sie darum bat. Auf die Frage, ob sie der baldige Tod der Prinzessin nicht traurig mache, antwortete die nun ja bekannte Marcelle, die liebe Anna schlafe nur und werde bald lediglich noch etwas tiefer schlafen.

Freilich konnte man das Kind für diese Aussage kaum strafen, teilweise weil es recht offensichtlich nicht die hellste Leuchte im Schrank war und seine Mutter sich vermutlich zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt ein paar Drinks genehmigt hatte, teilweise aber auch, weil die Prinzessin so ruhig und friedlich da lag, dass man sie durchaus für schlafend halten könnte – wenn man denn von dem surrend-keuchendem Lärm der Maschinerie und den vielen Schläuchen um und in ihr absah.


 No.59720

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Um ganz sicher zu gehen, dass sie und ihre Zuschauer den entscheidenden Moment nicht verpassen würde, hatten die anwesenden Reporter und Journalisten darüber hinaus (und vermutlich nicht zur Freude der örtlichen Mediziner) eine Art überdimensionale, mannshohe Digitaluhr neben Annas Bett installiert. Ihre Ziffern stellten einen Countdown dar, der inzwischen schon auf weniger als fünf Minuten herabgeschmolzen war.

Doch die Meute wird jetzt unruhig. Während Klein-Marcellin anfängt, die von ihr auswendig gelernten Gebete aufzusagen (deren Sinn sie vermutlich nicht verstand), fokussieren Lokalreporter und internationale Berichterstatter ihre Kameras auf den bleichen Körper der Prinzessin; justieren ihre Mikrophone und stellen die Fotoapparate scharf - für den Fall, dass Anna vielleicht doch noch aufwachen würde.


 No.59721

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Noch drei Minuten. Der übermüdete Auslandskorrespondent aus Japan, den man im Schweinsgallop aus Tokyo eingeflogen hatte, stellt seinen Becher mit Instant-Nudeln weg und nimmt müßig vor seinem Objektiv Stellung. Wenn alles gut lief, konnte er schon bald wieder in der Heimat sein und als Höhepunkt des Tages mal wieder die Sekretärin seines Vorgesetzten flachlegen.

Zwei Minuten. Die Tür zum Zimmer springt auf und ein schweißtriefender Fotograf stürzt herein. Noch immer um Atem ringend zückt auch er seine Kamera und nimmt das Ziel ins Visier. Die anderen Pressevertreter im Raum reagieren kurz mit verärgertem Gemurmel. So spät zu einem Shooting zu erscheinen ist nun wirklich unprofessionell.

Eine Minute. Das pausbackige Mädchen hört auf zu Beten. Sichtlich stolz auf ihre Leistung wendet sie sich strahlend den Journalisten zu, realisiert aber schnell, dass diese ihr heute keine Aufmerksamkeit mehr schenken werden und schmollt stattdessen frustriert in sich hinein.

Dreißig Sekunden. Die versammelte Presse hält den Atem an. Die Phalanx aus Aufnahmegeräten scheint plötzlich aus Jagdgewehren zu bestehen, bereit dem verblutendem Reh den Gnadenschuss zu verpassen.

Zehn Sekunden. Der zuständige Arzt nimmt seine vorgeschriebene Position ein. Im Gegensatz zu manchen der Journalisten wirkt er nicht nervös, bestenfalls eher entnervt ob der vielen ungebetenen Gäste. Ginge es nach ihm, so hätte man vor Monaten einen Schlussstrich unter die Sache gesetzt. Er hat weiß Gott noch andere Krüppel zu versorgen.

Fünf Sekunden. Vier. Drei. Zwei. Eins.

Die Ziffern des Coutdowns bleiben auf der Nullstelle stehen. Der behandelnde Arzt legt unzeremoniell einen Schalter um. Die Zylinder der Beatmungsmaschine halten; kehren in ihre Ruheposition zurück. Das Summen der Geräte verstummt. Für die Unendlichkeit einer Sekunde herrscht im Raum herrscht absolute Stille.


 No.59722

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Anna, die junge Prinzessin, könnte sich nun plötzlich aufbäumen. Einen letzten verzweifelten Kraftakt der Rebellion ausführen, um die Welt wissen zu lassen, dass noch Leben in ihrem Körper steckt, dass die Maschinen noch nicht abgeschaltet werden dürfen. Einen verzweifelten, erstickten Schrei ausstoßen.

Doch sie tut nichts dergleichen und der einzig hörbare Schrei im Raum kommt von dem EKG, dass laut schrillend einen Herzstillstand kundgibt.


 No.59723

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Mit einem kollektiven Seufzer der Enttäuschung verschwindet sämtliche Spannung aus den anwesenden Journalisten. Die meisten von ihnen bleiben noch für einige Minuten im Raum, vielleicht auf ein Wunder hoffend, doch nach und nach machen sich alle auf den Weg zur Liveübertragung der nächsten Katastrophe. Als zusätzliche Mediziner anrücken um die Innereien der jungen Frau versandfertig zu machen, ist nur noch Marcellin im Raum, die von Schuldgefühlen geplagt ist. Sie überlegt kurz, ob sie die schlafende Prinzessin noch das letzte Stück des Weges begleiten sollte, kommt aber zum Schluss, dass sie jetzt lieber Fernsehen schauen würde und macht sich auf den Heimweg.

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Annas Tod füllt die Schlagzeilen. Nachrichtensender und Tageszeitungen von Washington bis nach Jakarta widmen der Verstorbenen Todesanzeigen, Sonderreportagen und natürlich Kondolenzbekundungen für die liebe Familie. Zumindest für einen Tag. Danach geht es fließend zurück zu Schulamokläufen, brennenden Innenstädten und knuffigen Robbenbabys.


 No.59772

Nice,

Hast du nett geschrieben und ich war am Ende sogar ein bisschen gespannt. (falls du es überhaupt geschrieben hast.)

Nun aufgrund der latenten Wehmütigkeit deiner Story, der Bilderwahl und dem Prinzessinnen Vorkommen-bist du son Gothiktyp?

Kannte mal eine die hat sich immer genauson Kram reingezogen wie du ihn hier gepostet hast.


 No.59908

>>59772

Gothictyp? Nah. Die Moral bei der Geschicht ist eigentlich nur die Medienhurerei von heute. Scheiß auf die Menschenwürde, man braucht Einschaltquoten.


 No.59915

Ich hab jetzt eher was in richtung creepypasta erwartet, schade


 No.59931

>>59915

Wäre rückblickend sicher keine schlechte Idee gewesen (Beispiel: Anna ist nicht eben ganz so hirntot wie jederman glaubt), aber sei's drum.




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