[ home / board list / faq / random / create / bans / search / manage / irc ] [ ]

/tinkerbell/ - Gnosis für Fortschreitende

› Souverän ist, wer über die Wellen des Raumes verfügt ‹

Catalog

Name
Email
Subject
Comment *
File
* = required field[▶ Show post options & limits]
Confused? See the FAQ.
Options
Password (For file and post deletion.)

Allowed file types:jpg, jpeg, gif, png, webm, mp4, pdf
Max filesize is 8 MB.
Max image dimensions are 10000 x 10000.
You may upload 4 per post.


File: 1457921192032.jpg (72.04 KB, 219x292, 3:4, 000239.big.jpg)

 No.15

Anlass zu dem Projekt, ich versuche ein PDF aufzutreiben oder scanne es ein in Bälde.

Klappentext:

Die digitale Vernetzung bringt einen Paradigmenwechsel mit sich, der in seiner Konsequenz genauso weitreichend ist wie der Buchdruck. Sie hat Konsequenzen bis in die Tiefenstruktur des Denkens, der Empfindung und des Habitus. So brauchten wir heute eine digitale Anthropologie, eine digitale Ethik oder Politologie. Die digitale Kommunikationsrevolution führt vor allem zur Erosion des öffentlichen Raumes, in den früher Informationen hinausgetragen und in dem Informationen auch erworben wurden. Informationen werden im privaten Raum produziert und ins Private kommuniziert. Diese Veränderung des Informationsflusses hat Konsequenzen in vielen Lebensbereichen, auch im Politischen.

http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/im-schwarm.html

 No.26

http://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/gastbeitrag-im-schwarm-11912458.html

(Aber ist noch schwächer als das Buch)

Er prescht einfach so vor und vergisst imho das wichtigste: Aufschluss darüber zu geben, was er für das Digitale, das Internet hält. Ich würde Facebook garnicht zum Internet zählen, es ist doch mehr eine Fortführung des Analogen mit digitalen Mitteln.

-Realnamen (benötigte Personalausweiskopie bei suspektem Profil)

-Realfreundeskreise (kennst du diese Person im echten Leben?)

-jeder ist Berichterstatter seiner analogen Welt (was machst du gerade?)

Facebook ist eine Enklave der alten Welt.

>Die digitale Kommunikationsrevolution führt vor allem zur Erosion des öffentlichen Raumes, in den früher Informationen hinausgetragen und in dem Informationen auch erworben wurden.

Ich glaube nicht, dass den öffentlichen Raum einmal gab, von dem er spricht. Er sagt auch nicht, was daran von Vorteil sein soll.

>Heute werden Informationen im privaten Raum produziert und ins Private kommuniziert. Diese Veränderung des Informationsflusses hat Konsequenzen in vielen Lebensbereichen, auch im Politischen. Die Shitstorms ergießen sich in die Leere des öffentlichen Raumes.

Das kann man vielleicht aus der Facebook-Warte aus meinen, aber müsste es nicht einfach mehr und vielschichtigere öffentliche Räume geben im Digitalen? Was ist der große Unterschied zwischen einem Marktplatz und einer Telegramgruppe?


 No.27

>Die Shitstorms ergießen sich in die Leere des öffentlichen Raumes.

Im Buch auf s. 13 schreibt er noch was dazu:

Angesichts des Shitstorms wird man auch die Souveränität neu definieren müssen. Souverän ist, Carl Schmitt zufolge, wer über den Ausnahmezustand entscheidet. Man kann diesen Satz der Souveränität ins Akkustische übersetzen. Souverän ist, wer eine absolute Stille zu erzeugen, jeden Lärm zu beseitigen, mit einem Schlag alle zum Schweigen bringen vermag. Schmitt konnte keine Erfahrung mit der digitalen Vernetzung machen. Sie hätte ihn bestimmt in eine totale Krise gestürzt. Es ist bekannt, dass Schmitt zeitlebens Angst vor Wellen hatte. Shitstorms sind auch eine Art Wellen , die jeder Kontrolle entgleiten. Aus Angst vor Wellen soll der alte Schmitt auch Radio und Fernseher aus seinem Haus entfernt haben. Er sah sich sogar dazu veranlasst , angesichts der elektromagnetischen Wellen seinen berühmten Satz der Souveränität umzuschreiben: » Nach dem ersten Weltkrieg habe ich gesagt: › Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet. ‹  Nach dem Zweiten Weltkrieg, angesichts meines Todes, sage ich jetzt: › Souverän ist, wer über die Wellen des Raumes verfügt. ‹«

Nach der digitalen Revolution werden wir Schmitts Satz der Souveränität nochmals umschreiben müssen: Souverän ist, wer über die Shitstorms des Netzes verfügt.


 No.28

>>27

Entweder hat nie einen Shitstorm live miterlebt, kennt ihn quasi nur aus Erzählungen jener Waghalsigen die sich in solche Ecken des Internets vorwagen, oder seine Auslassung leidet sehr stark unter dem steilen Einfallswinkel seiner Betrachtungsperspektive, die den Shitstorm nur als politischen Machtwerkzeug wahrnehmen kann (das Gegenteil: eine Naturgewalt, träfe es sogar besser). Indem er Methoden, die helfen soziologische Vorgänge IRL zu begreifen auf digitale Phänomene anwendet, begeht er seinen großen Irrtum. Und das ist, glaube ich, im Grunde das Problem jeder aktuellen Analyse bei diesem Thema.


 No.29

>>27

>>28

Das ist richtig und nicht richtig (besser: noch richtig). Es kann nur gelten, solange der Shitstorm seine Wirkkraft bis in die reale Welt seines Opfers hinein entfalten kann (und wir müssen mittlerweile auf eine klare Trennung der Orte der realen und der virtuellen Welt bestehen, die noch nicht klar genug beschrieben ist*). Dafür kann es zwei Gründe geben:

1) Der Shitstorm selbst manifestiert sich in der realen Welt (z.B.: wenn die herkömmlichen Medien durch eine Berichterstattung als Medium zwischen den Welten fungieren) 2) Der Shitstorm hat Auswirkungen auf Teilnehmer der realen Welt (z.B.: ist denkbar, dass sich Menschen zur Verschärfung zu realer Gewalt hinreißen lassen) 3) Der Shitstorm hat Auswirkungen auf das Opfer des Shitstorms in der realen Welt (Das ist die plausibelste Erklärung, Person X verwechselt seine Person mit ihrer Persona im Internet, die Ziel des Shitstorms ist.)

Wie man im Traum physischen und psychischen Schaden, also im Schlaf psychischen und seelischen Schaden nehmen kann, der vielleicht auch noch im Wachzustand nachwirkt, wie man im Internet angegriffen wirden, so kann man man ja nur im Traum und nicht im Schlaf angegriffen werden. Was mir im Traum und im Internet widerfährt, dafür kann ich keine Person des echten Lebens haftbar machen. Im Traum und im Internet kann mich kein lebendiger Mensch verletzen, nur sein virtueller Stellvertreter


 No.83

Stürme richten sich nicht auf eine Person, Stürme entladen sich.

Wenn tausend oder zehntausend User gleichzeitig auf einen Post (Aktion) mit einer Antwort (Reaktion) reagieren, scheint das zuerst nur für den Verfasser des Posts wie ein shitstorm, der jeweils Antwortende empfindet es zuerst als Zwiegespräch.

Wenn im Internet gilt, was auf Imageboards gilt, dass ein Post möglichst viele Reaktionen generieren soll, dann ist ein Shitstorm nur zuviel des Glücks.


 No.126

NOMOS DER ERDE (Byung-Chul Han s.67)

Im Zuge des Digital Turn verlassen wir endgütlig die Erde, die terrane Ordnung. Werden wir dadurch befreit von der Schwere und Unberechenbarkeit der Erde? Würde die digitale Schwerelosigkeit und Fluidität nicht vielmehr in eine Haltlosigkeit stürzen? Heidegger war der letzte große Verfechter der terranen Ordnung. Seine "Erde" lässt "jede nur rechnerische Zudringlichkeit in eine Zerstörung umschlagen". Die digitale Ordnung totalisiert gerade das Rechnerische oder das Additive. Die terrane Ordnung ruht auf festem Fundament. […] Die digitale Ordnung verabschiedet den Nomos der Erde endgütlig . Carl Schmitt lobt die Erde vor allem aufgrund ihrer Festigkeit, die klare Abgrenzungen und Unterscheidungen zulässt. Die terrane Ordnung besteht aus Mauern, Grenzen und Festungen. Auch der feste "Charakter", der dem flexiblen Homo digitalis gänzlich abgeht, gehört zur terranen Ordnung. Das digitale Medium gleicht dagegen jenem "Meer", in das sich "keine festen Linien eingraben" lassen. Es lässt "keinen Charakter in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Charakter" zu, "das von dem griechischen Wort diarassein, eingraben, einritzen, einprägen kommt".


 No.127

>>126

In dem Absatz gibt es ein paar Interessantheiten imho:

1) Han wiegt die beiden Welten in einem Vergleich (im Endeffekt scheint es Geschmacksache zu sein, welche man vorzieht, der Kulturpessimismus ist stark in ihm) aber man denkt, für Han gibt es nur ein Entweder - Oder, oder sogar noch weniger, er müsste sich einfach damit abfinden bald vom "homo digitalis" abgelöst zu werden. Dass beide Welten parallel existieren könne, und endlich die verschärfte Trennung eintreten kann, das fällt ihm nicht ein.

Für Han muss es ein schreckliches Gefühl sein, mitanzusehen wie das Digitale an manchen Stellen in seine alte Welt hineinragt, das gilt aber andersrum genauso.

2) Ich finde es gelingt ihm nicht so sehr Schmitt hier für seine Zwecke zu vereinnahmen. Wenn man hier schaut: https://de.wikipedia.org/wiki/Nomos_(Carl_Schmitt) sieht man schnell, dass Schmitt weniger eine Beschaffenheit der Welt beschrieb, sondern eine Ordnung in der Welt. Dass diese Ordnung nicht zwangsläufig in anderen Welten (Traumwelt, Mars, Cyberspace, bei Schmitt: internationale Gewässer) gilt ist überhaupt nicht zu beklagen, sondern das normalste "von der Welt". Schließlich braucht jede Ordnung eine Legitimität und Kosmologie aus der sie sich ihr Recht nimmt, das ändere wäre unkonsequent und künstlich.


 No.137

>>126

Carl Schmitt beschreibt in Land und Meer, wie das Meer durch die verbesserte Technik (Schifffahrt, Walfang, Kanonen) die Mächteverhältnisse verkehrte. Am Ende ein Ausblick, wo er sich Gedanken macht, ob als nächstes Element die Luft kommt, schwenkt dann aber zu Feuer (=Elektrizität).

Ich frage mich ob Han, der das offensichtlich gelesen hat, den hellsichtigen Charakter und die viel passendere Interpretation nur ignoriert hat, um seinen Punkt zu festigen. Das ist ja schon fast absichtliche Fehlinterpretation.


 No.303

Im Laufe es Wochenendes wird hier ein längerer Text droppen, markiert meine Worte.


 No.307

http://www.byungchulhan.de/

c & a website von Han

https://www.youtube.com/watch?v=GJr-AIbnZEg

nicht ganz relatiert, aber man hört und sieht ihn sprechen.


 No.308




[Return][Go to top][Catalog][Post a Reply]
Delete Post [ ]
[]
[ home / board list / faq / random / create / bans / search / manage / irc ] [ ]