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/tinkerbell/ - Gnosis für Fortschreitende

› Souverän ist, wer über die Wellen des Raumes verfügt ‹

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 No.201

>1) Das Internet ist nicht die reale Welt (sondern eine andere Welt)

>2) Ich bin nicht ich im Internet (sondern ein anderer)

Zwar habe ich diese Sätze sehr lieb, aber ihre Konsequenzen kann ich noch nicht überblicken: Wenn wir von dieser Trennung ausgehen, was bedeutet das dann notwendigerweise für unser Verständnis, unser Weltbild? Wie gehen wir mit den zahlreichen Verschränkungen, Verbindungen zwischen Internet und Nicht-Internet um? Konkret ein Szenario, das mir im Kopf umgeht:

>Internet-Stalking

Ich will hier zwei grundlegende Arten unterscheiden, je nachdem, welche Richtung das Stalking nimmt: Entweder steht am Anfang die Begegnung im Weltlichen, die sich dann über eine Google- oder Facebooksuche in das Virtuelle verlagert. Oder aber am Anfang steht der Kontakt im Internet, von dem aus dann der Wunsch nach RL-Annäherung erwächst.

Man könnte sich (und ich würde mich gerne) lange darüber unterhalten, was da in den beiden Fällen genau passiert und wer da wem schlussendlich begegnet. Doch was gleich auffällt: Internet und reale Welt scheinen immer da zusammenzuwachsen, wo Anonymität im Internet nicht geachtet wird.

Hier scheint sich eine ganz andere Bewegung für die Ausgangsidee zu ergeben: Das scheinbar Beobachtete ist eigentlich die Forderung. Das, was postuliert wird, ist noch nicht Realität, soll es aber werden. Mememagic pur, nicht? Die Romantiker haben gesagt, eine Theorie des Romans müsse selbst ein Roman sein. Sagen wir analog etwa, dass die Theorie von Mememagic selbst Mememagic sein muss?

Opinions? Schreibts in die Kommis pls

 No.202

Dazu relevant:

>>31

Spannend wäre auch das juristisch durchzuspielen, wer sich das zutraut.


 No.215

>Hier scheint sich eine ganz andere Bewegung für die Ausgangsidee zu ergeben: Das scheinbar Beobachtete ist eigentlich die Forderung. Das, was postuliert wird, ist noch nicht Realität, soll es aber werden. Mememagic pur, nicht? Die Romantiker haben gesagt, eine Theorie des Romans müsse selbst ein Roman sein. Sagen wir analog etwa, dass die Theorie von Mememagic selbst Mememagic sein muss?

Ah, das klingt schön, wie du das sagst ;_;


 No.218

>>202

Da der Staat – anders als wir – nicht von einer grundsätzlichen Trennung ausgeht, dürfte er den Übergang gar nicht wahrnehmen und somit auch nicht zwischen den beiden Szenarien unterscheiden können.

Wo man noch nachbohren könnte, wäre für mich an zwei Punkten:

1) Was ist mit den Fällen, in denen die Verlagerung ins Virtuelle bewusst endgültig und unwiderruflich ist. Wo der Stalker also das Internet nicht als einen bloßen Umweg zurück in die Verleiblichung ansieht. Sondern wo er sich ganz auf dieses Terrain zurückzieht und dort die Erfüllung sucht.

2) Was erlebt ein Mensch nach jahrelangem Stalken eines Infomorphs, wenn er auf einmal der Verkörperung gegenübersteht?


 No.219

>>215

Danke! ;


 No.221

Es ist durchaus erfreulich zu Lesen, dass sich neben mir auch noch andere an diesen zwei Thesen stören zu scheinen.

Besonders die erste finde ich für durchaus zweischneidig. So mag ich zwar einerseits online durch den Deckmantel der Pseudonymität Sachen ausformulieren, welche ich mir durch die sozial aufgelegte Selbstzensur nicht über die Lippen gegangen wären, aber anderseits merke ich sowohl an mir wie auch an manchen meiner sozialen Umgangspartner wie die Sprache und Verhaltensformen des Netzes ins echte Leben adaptiert werden. Die Schwelle zwischen digitaler und realer Welt verschwimmt mit der fortschreitenden Technologiesierung der Gesellschaft zunehmend. Primär introvertierte oder sozialschwache Menschen fokussieren sich aufgrund von Negativerfahrungen oder Ängsten zunehmend auf die digitale Welt. Diese daraus folgende Distanz zu der realen Welt und den damit aufklaffenden Lücken der sozialen Umgangsformen werden somit mit der im Netz erlernten Netiquette gefüllt. Analog lässt sich natürlich sagen, dass soziale Strukturen des realen Lebens, logischerweise besonders zu Anfangszeiten des WWWs, auch auf die Netzkultur abfärben. Dieser rege Austausch zweier Kulturen, wobei zweite von Kulturbürgern der ersten errichtet wurde, wird zwingend zu einer Vermischung führen.

Dies klang jetzt etwas wirr und ich weiß gerade selbst nicht recht, was ich eigentlich erörtern wollte. Auch ist mir durchaus bewusst, dass ich damit nicht einmal einen kleinen Bereich der Thesen abgedeckt habe. Ich werde nun schlafen gehen.


 No.222

File: 1458557155307.jpg (25.24 KB, 400x815, 80:163, 1457555504223-2.jpg)

>>218

>Da der Staat – anders als wir – nicht von einer grundsätzlichen Trennung ausgeht, dürfte er den Übergang gar nicht wahrnehmen und somit auch nicht zwischen den beiden Szenarien unterscheiden können.

Die Frage hat aber noch ein hypothetisches Ausmaß: falls eine Trennung einmal so evident ist, dass sich auch das Recht danach richten muss (denn die Realität ist der Anspruch des Rechts und seine Legitimität) - dann muss es der Gesetze neue geben. Wie bisherige Praxis, alte Gesetze auf sich rasant verändernde Sachverhalte anzuwenden (heute ist es möglich, dass die Verbreitung irgendeiner Kopie nicht 10 oder 100 Leute betrifft sondern 100 Millionen) oder neue Gesetze nach alten Maßstäben zu ersinnen (Cyberbullying ist kein bloßer Kummunikationsdelikt - wie jeder Delikt im Internet aus der Realweltperspektive nur ein Kommunikationsdelikt oder ein Gedankenverbrechen darstellen kann - sondern ein Angriff auf die Gefühle eines Mitmenschen) muss scheitern.


 No.224

>>218

>2) Was erlebt ein Mensch nach jahrelangem Stalken eines Infomorphs, wenn er auf einmal der Verkörperung gegenübersteht?

Götterdämmerung.

https://en.wikipedia.org/wiki/Paris_syndrome

>Idealized image of Paris – it is also speculated as manifesting from an individual's inability to reconcile a disparity between the Japanese popular image and the reality of Paris. The Japanese often picture Paris as a land of dreams, the land of beauty, culture and romance. However, they soon find out the contrary when they visit Paris for the first time. They find it to be a very regular place, the facilities are disorganized, many areas are unclean, and life characterized by noise, not like what was in their imagination.

> It is characterized by a number of psychiatric symptoms such as acute delusional states, hallucinations, feelings of persecution (perceptions of being a victim of prejudice, aggression, or hostility from others), derealization, depersonalization, anxiety, and also psychosomatic manifestations such as dizziness, tachycardia, sweating, and others.


 No.241

>>224

Hmm.

[spoiler]Es deckt sich nicht mit meiner Erfahrung


 No.243

>>241

Magst du von deinen Erfahrungen berichten?


 No.244

>>221

OP hier, der an seinen Zweifeln wieder zu zweifeln beginnt. Gestern dachte ich noch, man könne die tatsächliche Verschiedenheit der beiden Welten am besten an ihren Grenzen überprüfen, aber vielleicht geht das an dem eigentlichen Kern ja vorbei. Sicher, es gibt einen regen Austausch zwischen Netz- und Echtwelt und einen großen Graubereich, doch ist das mit den beiden Sätzen wirklich unvereinbar? Mir fehlen die Begriffe, aber denkt man die Welten mehr von ihren Gesetzen – meinetwegen von ihrem Wesen – anstatt von ihren Grenzen her, scheinen sie mir wirklich auseinanderzufallen. Man könnte noch sagen, dass es zwar zwei verschiedene Welten sind, diese sich aber in der gleichen Dimension, im gleichen Universum befinden.


 No.246

>>243

Entgegen meiner Erwartung – vielleicht blieb sie gerade deshalb aus – erlebte ich jedenfalls keine Enttäuschung. Auch ich hatte damit gerechnet, das Imaginierte würde beim Zusammentreffen mit dem Realen einer Seifenblase gleich zerplatzen, wie eine Kulisse umfallen. Doch das Gegenteil geschah: Das Verleiblichte zerbrach an dem Infomorph, vermochte sich ihm gegenüber nicht zu behaupten, sich nicht durchzusetzen. Überhaupt galt das für alles, was mit der Person zusammenhing und mir aus dem Internet schon bekannt war. Ich wandelte in den Tagen durch die umliegenden Straßenzüge und hatte nie das Gefühl, das Internet verlassen zu haben.

Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit meiner Mutter, das ganz in diese Richtung ging. Jemand, der vor Antritt der Reise alle bevorstehenden Erlebnisse schon über das Internet durchlebt; d. h. den Streckenverlauf des Flixbus recherchiert, einen digitalen Rundgang durch die Airbnb-Unterkunft macht, den Gastgeber auf Facebook befreundet, usw. Reist eine solche Person überhaupt noch? Oder muss man sich das nicht eher als eine Fortsetzung des Surfens denken?


 No.248

>>246

>Oder muss man sich das nicht eher als eine Fortsetzung des Surfens denken?

Ich hatte schon manchmal "deja-vus", bei denen mir erst beim weiteren Drübernachdenken klar wurde, dass sie Ergebnis von ausgiebigen Googlemaps-Abenteuern waren.


 No.249

>>248

*bzw Googlestreetview


 No.252

>>248

>>249

Ach, genau, ich wusste doch, dass ich in >>246

eine Seite vergessen hatte!


 No.255

>>249

>>248

>Die Abteilung 7 der Bezirksregierung Köln (ehemals Landesvermessungsamt) druckt bis auf einzelne stark nachgefragte »Freizeitkarten« keine topographischen Karten des Landes Nordrhein-Westfalen mehr nach, weder die alten Meßtischblätter 1:25.000, noch die (mir i. d. R. gerade so ausreichenden) im Maßstab 1:50.000. Die Sache wird nur noch digital fortgesetzt.

>Man muß sich das überlegen: die einzige Sache, die sich noch herzustellen lohnt, wird nicht mehr hergestellt.

>Keine Frage, wird leben längst in der Barbarei!


 No.263

File: 1458587285461.png (121.45 KB, 454x341, 454:341, desmaziere 3.png)

>>255

Man muss an die Borges-Geschichte von der Landkarte denken, die so groß ist wie das Land selbst. Kann mich aber nicht gut daran erinnern.

Vielleicht kann ich es rausfinden aber.


 No.268


 No.272

>>263

Viel spaßiger ist doch wenn die Karte größer wird als das Land.


 No.274

>>263

Ach ja, wäre cool!


 No.275

File: 1458635277884.jpg (5.71 MB, 3842x6263, 3842:6263, kowlooninfographic.jpg)

>>272

Ist dies nicht in urbanen Gebieten bereits der Fall? Also nicht von dem beinahe Historischen Maß eines Maßstabs her, sondern von der Informationsdichte. Wenn ich in einen 10stöckigem Haus auf jeder Ebene verschiedene Geschäfte habe, so könnte ich dies selbst auf einer Karte im Maßstab 1:1 schwer verzeichnen. Als Extrembeispiel sei vielleicht noch Kowloon Walled City anzuführen.


 No.276

>>275

>Kowloon

R.I.P. ;__;


 No.278

>>246

>Ich wandelte in den Tagen durch die umliegenden Straßenzüge und hatte nie das Gefühl, das Internet verlassen zu haben.

Vielleicht liegt das auch am Persönlichkeitstyp. Wenn man dazu neigt, alle den Sinnen zur Verfügung gestellten Informationen sofort zu klassifizieren und mit der inneren Landkarte abzugleichen, am Ende gar vielleicht nur solche Informationen bewusst wahrzunehmen, die zu dieser Karte in Widerspruch stehen, dann ist es wahrscheinlich wirklich egal, ob man in Google Earth rumklickt oder leibhaftig durch die Straßen latscht bzw. schreitet, je nachdem.

Übrigens verstehe ich auch hier wieder nicht, was denn nun das Neue am Internet ist, denn die weißen Flecken in der eigenen Vorstellung von der Welt konnte man auch schon mittels Grundschulatlas befüllen und auch nach dem Studium einer Wanderkarte oder eines U-Bahn-Planes reist es sich anders. All das dient aber doch nur einer verbesserten Abbildung der Realität ™ und das Internet wäre in dieser Logik nur ein weiterer Schritt in Richtung perfekter Kopie. Eigentlich nicht so schön, dann lieber Karten.


 No.280

>>278

Richtiger bittervet


 No.282

>>278

>All das dient aber doch nur einer verbesserten Abbildung der Realität

Nein, die "Realität" dient nur als Abbildung des Internets. Es geht darum, dass diese sich dann den Justierungen, die im Cyberspace vorgenommen werden, irgendwie anpasst.

>Eigentlich nicht so schön, dann lieber Karten.

Ja, will auch nicht werten, aber es ist eben wie es ist.


 No.284

>>282

Gut, die Auflösung ist dann, dass sich beide Welten gegenseitig rückkoppelnd kopieren. Bei jedem Kopiervorgang geht auf beiden Seiten ein wenig verloren bis beide Welten nur noch ein Brei von "YOUR AD HERE"-Anzeigen und einander trollenden Trollen sind. Erkennt die wahre, unerbittliche Natur der Mem-Magie.

t. bittervet


 No.285

File: 1458683848116-0.jpg (2.14 MB, 2592x1936, 162:121, IMG_1348.JPG)

File: 1458683848117-1.jpg (1.55 MB, 2592x1936, 162:121, IMG_1349.JPG)

Ich weiß nicht, tut mir leid, wenn es nicht gut dazupasst, aber dieses Bild im Hotelzimmer erzeugt großes Unwohlsein bei mir.

Ein Bild von dem Modell einer Stadt. Man sieht es an mit dem Gefühl, diese Stadt müss(t)e es irgendwo irgendwann mal gegeben haben.


 No.287

>>285

würde vor dem Schlafengehen abhängen und verkehrt an die Wand lehnen tbh


 No.288

>>287

Würde ich, aber hab Angst vor dem was dahinter ist ;___;

Es ist, habe ich gehört, ein IRL-Life-Mem etwas hinter Hotelbildern zu hinterlassen


 No.289

File: 1458684353552.jpg (Spoiler Image, 20.36 KB, 640x320, 2:1, zero.jpg)

>>284

Sehr gut!

Ein bisschen wie hier

>>286




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