Der Versuch eine ehrliche Antwort auf diese doch provokanttrollende Frage zu finden, sollte sich unter dem Umstand, dass das Medium der Waifu hier nicht spezifiziert wurde, als äußerst schwer erweisen. Ich gehe einfach davon aus, dass eine Waifu nun ein beliebiger Charakter sei, wobei auch die Einschränkung, dass er fiktiv sein müsse, optional ist.
Jedoch sollte an erste Stelle überlegt werden, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit man einen Menschen über digitale Wege auch als Mensch klassifiziert. Das älteste Kommunikationsmedium in der digitalen Welt war das Schreiben digitaler Briefe. Darauf folgten dann textbasierte Chats mit mehreren Personen. Viele Jahre später folgte darauf dann VoIP und noch etwas später dann Videochat.
Somit sollte nun diskutiert werden, welche technischen Möglichkeiten des Waifushippings, also des Transports aus der digitalen über ein gewisses Trägermedium in die reale Welt, möglich wären. Da eine Waifu auf einem fiktiven Charakter, primär aus einem Manga oder Anime, basiert, besitzt diese bereits gewisse Charaktereigenschaften und ein, hoffentlich einheitliches, Sprachbild und einen Wortschatz auf einem gewissen Level. Anhand dieses Schwalls an Daten lässt sich zum einen ein Satz auf Urheberschaft der Waifu einschätzen. Zum anderen lassen sich jedoch auch Algorithmen mit diesen Daten füttern und so selber Antworten auf Eingabetext generieren. Der nächste Schritt wäre nun das Sprechen des Textes, welches heutzutage ebenso kein Problem mehr darstellt. Als Vergleich sei an dieser Stelle einmal Hatsune Miku angeführt. Um die Waifu auf den aktuellen Ist-Stand der digitalen Kommunikationstechnik zu bringen, müsste sie ebenso animiert werde können, welches heutzutage auch technisch keinem Problem entspricht. Das automatisierte Rendern von (menschlichen) Körpern ist mit ausreichend vielen Detailpunkten möglich und wird seit vielen Jahren primär im Bereich der Animationsfilme eingesetzt.
Bis jetzt war dann jedoch der Kontakt für die reale Person noch durch ein Endgerät beschränkt. Um diese Grenze auch noch so überschreiten, müsste man das digitale Endgerät überwinden bzw. so integrieren, dass es nicht mehr auffällt.
Der erste Schritt diesbezüglich wird seit Jahren in der VR versucht. Beim Tragen einer Brille, welche einem beispielsweise in die echte Welt die Waifu produziert, wäre nach einer gewissen Tragezeit für die reale Person die Unterscheidung durchaus problematisch. Jedoch wäre es nun immer noch von der Brille abhängig und nur diese Person oder Personen, welche ebenfalls eine solche Brille tragen, würden die Waifu zu Gesicht bekommen.
Von hier an gäbe es verschiedene Wege, welche eingeschlagen werden konnten. Zum einen könnte mithilfe von weiter entwickelter Hologrammtechnologie die Waifu für alle sichtbar projiziert werden. In einer doch weiter entfernten Zukunft evtl. sogar auf Roboterskelette, welche auch in der echten Welt interagieren könnten. Eine andere Möglichkeit wären Puppen, welche mithilfe von Robotik und plastischer Chirurgie die Waifu repräsentieren.
Diese Ideen benötigen jedoch immer noch einen Trägerkörper in der realen Welt und würden das Shippen der Waifu in die echte Welt bedeuten. Analog dazu könnte auch der Versuch die Person nach Gensokyo zu transportieren stattfinden. Durch an das Nervensystem angeschlossene Geräte wäre es möglich, eine nicht existente Person zu spüren. Noch ein Schritt weiter wäre eine vollkommen digitale Welt, wie sie z.B. in Matrix gezeigt wird.
Zusammenfassend sei gesagt, dass es viele Möglichkeiten der Realisierung einer Waifu gäbe. Somit prognostiziere ich, dass noch dieses Jahrhundert das Jahr der (Cyber-)Waifu erleben wird.