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/tinkerbell/ - Gnosis für Fortschreitende

› Souverän ist, wer über die Wellen des Raumes verfügt ‹

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 No.3

Je est un autre - Rimbaud

Am weitesten gefasst könnte man sagen, hier wird eine Phänomenologie des Internets versucht. Leichter ist aber wie immer zu sagen, was es ist nicht sein soll:

Keine empiristische Beschreibung der technischen Vorraussetzungen, aber auch nicht die soziologische Beobachtung derer, die sie nutzen und nutzbar machen und genausowenig eine Synthese davon. Alles was bisher über das Internet gesagt wurde, war, wenn überhaupt, eine Ferndiagnose seiner Nutzer, eine soziologische Studie über seine Nutzer, eine Untersuchung von Content den die Nutzer verursachen, die _vor_ dem Bildschirm sitzen. Nicht über das Bewusstsein, das sich währendessen jenseits des Bildschirms im Internet bewegt.

Die Arbeit hat vielleicht mehr mit der eines Reiseschriftstellers oder Staatskundlers zu tun, als mit der eines Psychologen. Es soll die eine manifestartige Antwort des Internets auf die Unkenntnis und Xenophobie der alten Welt sein, die sich in dutzenden Büchern dieses Themas ausdrückt und sich so einer echten Auseinandersetzung erwehrt.

Der Geist muss demjenigen von Patrioten ähnlich sein, die für die Anerkunng seines sezionierten Staatsgebietes kämpfen. Oder dem Entdecker, der den Zuhausegebliebenen die Sitten ferner Gestade verständlich machen muss.

Zwei große Punkte sollen sein:

1) Das Internet ist nicht die reale Welt (sondern eine andere Welt)

2) Ich bin nicht ich im Internet (sondern ein anderer)

Tut mir leid, wenn alles so vage und esoterisch daherkommt, ich bin mir sicher das wird sich geben. Alles was man jetzt konkret festsetzt, macht es später eng und unkomfortabel für Änderungen, die sich aus der Entwicklung ergeben

 No.4

Alternativer Erklärungsversuch:

Ich glaube, als Amerika entdeckt wurde, kamen zuerst: Händler und Missionare, dann: Abenteurer, Goldsucher, Verbrecher, Flüchtlinge, Traumtänzer. Philosophen und Menschen mit der Fähigkeit, diese eruptionsartige Entwicklung geistig zu erfassen, zogen vor, das aus sicherer Entfernung zu tun. Noch zu sehr der alten Welt verhaftet, um der neuen mit der Neugier des mittellosen Abenteuerers zu begegnen, aber nicht genug, um sich ihrer völlig abspenstig zu machen.

Es finden ambitionierte Versuche statt, die neue Erfindung nach technischen (naturwissenschaftlichen), soziologischen (politischen), psychologischen (existentialistischen) Kategorien hin abzutasten - eine Sphinx wird unschädlich gemacht, wenn ihr Geheimnis gelüftet ist. Je nach Ausgang der Untersuchung werden Atteste ausgestellt, die wahlweise Ablehnung oder Euphorie der Sache rationalisieren sollen. So weit zur wissenschaftlichen Strategie. Allerdings ist mir bisher keine Erklärung bekannt, die eine Entdeckung plausibler macht: Hat sich nicht der Mensch wieder einmal durch technische Mittel eine neue Welt eröffnet? Gab es ein "Vom Nutzen und Nachtheil des neuen Kontinents"? Von der persönlichen Entscheidung, die nova terra zu ignorieren, die jeweils zwei oder drei Generationen vergönnt gewesen ist, einmal abgesehen.

Ist die Rede also von einer Art Territorium, wäre die Sache klar, Kartographen und Politiker, Geologen und Entdecker legen los und machen den neuen Raum* (*Carl Schmitt) versteh-, dien- und nutzbar. Aber dabei betrügt man das Phänomen um eine zweite Achse: nach außen hin ist es der Ort, das virtuelle Pendant zur Heimat, nach innen ist es ein state of mind. Es ist die Mischung aus dem Ort, an dem wir in unseren Träumen sind und einem fremden Planeten. Paradoxerweise dezentral und zentriert zugleich, es ist überall aber vor allem in unseren Köpfen. Zu den Kartographen und Politikern, Geologen und Entdeckern kommen also Traumdeuter und Theologen, Astrologen und Astronomen hinzu, die wir anzuheuern nicht umhin kommen.


 No.14

>Das Internet ist nicht die reale Welt (sondern eine andere Welt)

Das Internet ist nicht die reale Welt (sondern eine Gegen - Welt)

Fixed vielleicht


 No.30

Anekdote:

Ein Freund berichtete aus seinen ersten jugendlichen Erfahrungen mit einem Forum. Er wollte einige dringende Fragen beantwortet haben, aber sich nicht der Peinlichkeit der Kommentare der Netzgemeinschfat aussetzen, also legte er für die erste Frage einen zweiten Account ein, und beschrieb die Frage, die zuerst eine eines angleichaltrigen Mädchen interessierten kleinen Jungen als die eines besorgten Vaters. Um dann wieder eine Frage aufkam, musste wieder ein neuer account her, weil es den Vater unglaubwürdig erscheinen lässt, wenn er sich erkundigte wie man mit 14 an Zigaretten kommt.


 No.31

File: 1457965124756.png (181.17 KB, 400x322, 200:161, tumblr_n5gbliAUlY1qgjpp9o1….png)

>Ich bin nicht ich im Internet (sondern ein anderer)

Dazu Zizek:

A decade or so ago, there was an outstanding British commercial for a beer. Its first part staged the well-known fairy-tale story: a girl walks along a stream, happens across a frog, kisses it, and the ugly frog is miraculously transformed into a beautiful young man. The young man then casts a covetous glance at the girl, kisses her and she turns into a bottle of beer. The girl fantasises about the frog who is really a young man, the man about the girl who is really a bottle of beer.

For the woman, her love can turn a frog into a beautiful man, while for the man love reduces the woman to what psychoanalysis calls a "partial object", that in you which makes me desire you. The actual couple of a man and woman is thus haunted by the bizarre figure of a frog embracing a bottle of beer. Modern art stages this underlying spectre: one can imagine a surrealist painting of a frog embracing a bottle of beer entitled "A man and a woman".

And therein lies the threat of cyberspace at its most elementary: when a man and a woman interact in it, they may be haunted by the spectre of a frog embracing a bottle of beer. Since neither of them is aware of it, these discrepancies between what "you" really are and what "you" appear to be in digital space can lead to murderous violence.

http://www.theguardian.com/commentisfree/2006/dec/30/comment.media


 No.33

>Ich bin nicht ich im Internet (sondern ein anderer)

Dazu diese top interessante Geschichte:

http://www.theguardian.com/technology/2015/feb/21/internet-shaming-lindsey-stone-jon-ronson “We’re not quite persuaded by that,” he continued. “We think there’s already a layer of artifice and it’s your online personality – the brand Jon Ronson – you’re trying to protect. Yeah?”

https://www.youtube.com/watch?v=qymiXwps97s

https://en.wikipedia.org/wiki/So_You%27ve_Been_Publicly_Shamed

http://www.wired.co.uk/news/archive/2012-03/28/weavrs-spambots-or-discoverability-agents


 No.36

>>33

This leads to Ronson asking the bot's creators for its removal, as he believes it to be a spambot. The creators of the account alternatively call it an infomorph (https://en.wikipedia.org/wiki/Infomorph), and decline Ronson's request, but eventually agree to meet in person with the author.

https://www.youtube.com/watch?v=mPUjvP-4Xaw


 No.37


 No.84

>Das Internet ist nicht die reale Welt (sondern eine andere Welt)

Darauf weisen viele Dinge hin. Oft wird beklagt, das Internet mache die Menschen einsam, sie träfen sich nicht mehr so häufig, schauen nur in ihre Smartphones, schwänzen Arbeit und Schule, seien garnicht mehr richtig da.

Dieses Nicht-da-sein ist das Entscheidende, denn die Leute sind nicht einfach weg, sondern nur woanders.

Fallbeispiel

Der Lehrer betritt zur neuen Unterrichtsstunde die Klasse und blickt in den Raum: kaum einer seiner Schüler blickt hoch, die meisten sind damit beschäftigt, etwas in ihrer Smartphones zu tippen. der Lehrer fängt an die Anwesenheitsliste durchzugehen, viele reagieren nicht oder nur langsam, wenn ihr Name aufgerufen wird. Der Lehrer macht die Bemerkung, dass wohl einige Schüler nur körperlich anwesend seien, keinesfalls aber geistig.

Das ist nicht sehr neu. In anderen Zeiten hätte der Lehrer dasselbe beklagen können, weil seine Schüler in Bücher oder Tagträume vertieft sind.

Träume sind nichts neues, neu ist dass man dort nicht mehr alleine ist. Man begegnet nun nicht mehr den von der eigenen Phantasie generierten Sockenpuppen des eigenen Ichs, sondern realen Menschen. Die schüler der Klasse könnten in dem Fallbeispiel alle geistig, mit voller Konzentration an einem Ort anwesend sein und der Lehrer ist ausgeschlossen. er verbleibt in den physikalischen Sphären, kann nicht zu den an den Gehirn verkuppelten Klassengemeinschaft vordringen.


 No.85

>>84

Hier ist ein ähnlicher Vergleich >>>/tinkerbell/29


 No.86

>>84

Hier die umgekehrte Situation zum Fallbeispiel:

https://imgur.com/pmgblaP

>Teacher forgets projector is on, stalks student's Facebook profile

Der Ungehörige hierbei ist nicht das Stalken, es gehört doch zu den unmittelbarsten Funktionen von Facebook, sich Bilder anzusehen. Genauso könnte der Lehrer den Schülern vorwerfen ihn beim Stalken zu stalken.

Was die Konstellation (Schüler beobachten IRL Lehrer, der die Schüler im Internet beobachtet) erst interessant macht und das aufeinanderprellen der beiden Welten.




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